Lektion 4: Depot eröffnen, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Meist reicht ein Smartphone für die Depot-Eröffnung

DEPOT ERÖFFNEN 2026: SCHRITT-FÜR-SCHRITT-ANLEITUNG FÜR ANFÄNGER

Ein Depot zu eröffnen dauert heute weniger Zeit als eine Pizzabestellung. In 10 bis 15 Minuten kannst du online ein vollwertiges Wertpapierdepot einrichten und noch am selben Tag deine erste Investition tätigen. Der Prozess ist digital, unkompliziert und erfordert keine Bankfiliale mehr.

Was viele Anfänger überrascht: Du brauchst weder Vorkenntnisse noch ein großes Startkapital. Die meisten modernen Broker ermöglichen dir bereits ab 1 Euro den Einstieg in die Welt der ETFs und Aktien. Die größte Hürde ist nicht das Wie, sondern die Entscheidung, welcher Broker zu dir passt.

In diesem Artikel erfährst du, wie ein Depot funktioniert, welcher Broker für Anfänger geeignet ist und wie du Schritt für Schritt dein erstes Depot einrichtest – ohne versteckte Kosten oder böse Überraschungen.

Was ist ein Depot und wozu brauchst du es?

Ein Depot ist dein digitales Wertpapier-Schließfach. Während dein Girokonto für Bargeldtransaktionen zuständig ist, verwahrt dein Depot alle Wertpapiere – also Aktien, ETFs, Anleihen oder Fonds. Ohne Depot kannst du keine Wertpapiere kaufen, genauso wie du ohne Girokonto keine Überweisungen tätigen kannst.

Das Prinzip ist einfach: Du überweist Geld von deinem Girokonto auf dein Verrechnungskonto beim Broker. Von dort aus kaufst du Wertpapiere, die dann in deinem Depot liegen. Wenn du verkaufst, wandert das Geld zurück aufs Verrechnungskonto und kann von dort wieder auf dein Girokonto überwiesen werden.

Früher bedeutete ein Depot Papierformulare, Telefonate und hohe Gebühren. Heute läuft alles digital per App oder Browser. Du behältst jederzeit den Überblick über deine Investitionen, kannst mit wenigen Klicks kaufen oder verkaufen und zahlst deutlich weniger Gebühren als noch vor zehn Jahren.

Der Unterschied zu einem Sparkonto

Auf einem Sparkonto liegt dein Geld sicher, verliert aber durch Inflation kontinuierlich an Kaufkraft. Ein Depot hingegen ermöglicht dir, in Unternehmen oder ganze Märkte zu investieren – mit Renditechancen, aber auch mit Schwankungen. Diese Schwankungen sind der Preis für die Chance auf deutlich höhere Erträge als die mageren Zinsen auf dem Sparbuch.

Bank-Depot vs. Neobroker – was ist der Unterschied?

Du hast grundsätzlich zwei Optionen: das klassische Depot bei einer Filial- oder Direktbank oder ein Depot bei einem sogenannten Neobroker. Beide erfüllen denselben Zweck, unterscheiden sich aber erheblich in Bedienung, Kosten und Zielgruppe.

Klassische Bank-Depots (ING, Consorsbank, Comdirect)

Diese Anbieter gibt es seit Jahrzehnten. Sie bieten oft eine größere Produktpalette, mehr Handelsplätze und umfangreichere Analysetools. Der Nachteil: höhere Gebühren. Bei der ING zahlst du beispielsweise 4,90 Euro plus 0,25 Prozent des Anlagebetrags pro Order – bei einer 1.000-Euro-Order also 7,40 Euro. Die Consorsbank verlangt 4,95 Euro plus 0,25 Prozent, bei Sparplänen fallen 1,5 Prozent Kaufgebühr an.

Für absolute Anfänger, die einfach nur einen ETF-Sparplan einrichten möchten, sind diese Kosten schwer zu rechtfertigen. Du zahlst deutlich mehr, ohne dass du die erweiterten Funktionen wirklich benötigst.

Neobroker (Trade Republic, Scalable Capital)

Neobroker sind die jungen Wilden der Branche. Sie setzen konsequent auf Apps, reduzieren alles auf das Wesentliche und kalkulieren extrem günstig. Trade Republic berechnet 1 Euro pro Order, Scalable Capital je nach Modell 0,99 Euro oder gar nichts. Sparpläne sind bei beiden komplett kostenlos.

Der Fokus liegt auf Einfachheit. Du bekommst keine 50 verschiedenen Ordertypen oder Zugang zu 20 Börsenplätzen. Dafür ist die Bedienung intuitiv, die Kosten transparent und der Einstieg unkompliziert. Für Anfänger, die ihr erstes Depot eröffnen und mit ETFs starten wollen, sind Neobroker die bessere Wahl.

Wichtige Auswahlkriterien für dein erstes Depot

Nicht jeder Broker passt zu jedem Anleger. Bevor du dich entscheidest, solltest du drei Kernfragen klären: Was kostet mich das Depot? Wie benutzerfreundlich ist die Plattform? Und welche Wertpapiere kann ich dort besparen?

Gebühren: Wo entstehen Kosten?

Achte auf drei Kostenblöcke: Depotführungsgebühren, Ordergebühren und Sparplan-Kosten. Die meisten modernen Broker verzichten auf Depotführungsgebühren – dein Depot kostet also nichts, solange du nicht handelst.

Entscheidend sind die Ordergebühren. Jeder Kauf oder Verkauf löst eine Gebühr aus. Bei Trade Republic ist das 1 Euro pauschal, bei Scalable Capital im Free-Modell 0,99 Euro, bei klassischen Banken oft 5 bis 10 Euro oder mehr. Gerade wenn du regelmäßig kleinere Beträge investierst, summieren sich höhere Orderkosten schnell.

Sparplan-Gebühren sind besonders wichtig, wenn du monatlich automatisch investieren möchtest. Bei Trade Republic und Scalable Capital sind Sparpläne komplett kostenlos, bei der Consorsbank zahlst du 1,5 Prozent pro Ausführung – bei 100 Euro Sparrate also 1,50 Euro pro Monat.

Benutzerfreundlichkeit: Wie einfach ist die Bedienung?

Als Anfänger willst du nicht erst ein Handbuch lesen müssen. Trade Republic punktet mit einer aufgeräumten App, die selbsterklärend ist. Scalable Capital bietet zusätzlich eine Webversion, falls du lieber am Computer arbeitest. Klassische Banken haben oft umfangreichere Oberflächen, die für Einsteiger aber schnell überfordernd wirken.

Ein guter Test: Kannst du innerhalb von zwei Minuten einen Sparplan einrichten? Falls ja, ist die Plattform anfängerfreundlich.

Sparplan-Angebot: Welche ETFs sind verfügbar?

Prüfe, ob die ETFs, die dich interessieren, als Sparplan verfügbar sind. Trade Republic bietet über 2.600 ETFs als Sparplan an, Scalable Capital sogar über 2.700. Bei klassischen Banken ist die Auswahl oft kleiner – die Consorsbank hat rund 560 ETFs im Sparplan-Angebot.

Für Anfänger sind die gängigen ETFs wie der MSCI World oder FTSE All-World bei allen Brokern verfügbar. Wenn du später speziellere ETFs besparen möchtest, lohnt sich ein Blick auf die genaue Produktpalette.

Broker-Vergleich 2026: Trade Republic, Scalable Capital, ING, Consorsbank

Hier die vier wichtigsten Anbieter im direkten Vergleich:

Kriterium Trade Republic Scalable Capital Free Scalable Capital Prime+ ING Consorsbank
Depotführung 0 € 0 € 4,99 €/Monat 0 € 0 €
Ordergebühr (1.000 €) 1 € 0,99 € 0 € (ab 250 €) 7,40 € 9,95 €
Sparplan-Gebühren 0 € 0 € 0 € 0 € 1,5 %
ETF-Auswahl Sparplan 2.600+ 2.700+ 2.700+ 800+ 560+
Mindestsparrate 1 € 1 € 1 € 1 € 10 €
Besonderheit Einfachste App Web + App Unbegrenzte Zinsen aufs Guthaben Etablierte Bank Etablierte Bank

Trade Republic – der Allrounder für Einsteiger

Trade Republic ist die erste Wahl für absolute Anfänger. Die App ist intuitiv, die Gebühren transparent (1 Euro pro Order) und alle Sparpläne sind kostenlos. Du kannst bereits ab 1 Euro investieren, was ideal ist, um erste Erfahrungen zu sammeln.

Ein Hinweis: Ab Juli 2026 tritt das PFOF-Verbot in Kraft, was bedeutet, dass Trade Republic keine Rückvergütungen mehr von Handelspartnern erhält. Bisher hat der Broker aber signalisiert, dass keine Gebührenerhöhungen geplant sind.

Scalable Capital – mehr Optionen, zwei Modelle

Scalable Capital bietet zwei Varianten: das kostenlose Free-Modell mit 0,99 Euro pro Order und das Prime+-Modell für 4,99 Euro monatlich, bei dem alle Orders ab 250 Euro kostenlos sind. Prime+ lohnt sich, wenn du regelmäßig größere Summen investierst oder das unbegrenzte Zinsguthaben nutzen möchtest.

Der Vorteil gegenüber Trade Republic: Du hast Zugang zu einer Webversion und etwas mehr Analysetools. Der Nachteil: Die App ist minimal komplexer in der Bedienung.

ING und Consorsbank – solide, aber teurer

Beide sind etablierte Banken mit gutem Ruf und jahrzehntelanger Erfahrung. Die ING kostet bei einer 1.000-Euro-Order 7,40 Euro, die Consorsbank 9,95 Euro. Sparpläne kosten bei der Consorsbank zusätzlich 1,5 Prozent pro Ausführung – bei 100 Euro monatlich also 1,50 Euro.

Für Anfänger mit kleinen Sparbeträgen sind diese Kosten zu hoch. Wenn dir aber wichtig ist, dass dein Broker seit Jahrzehnten am Markt ist und du persönlichen Support per Telefon möchtest, können diese Anbieter eine Option sein.

Schritt für Schritt: Depot online eröffnen

Die Depot-Eröffnung ist heute standardisiert und dauert bei Neobrokern etwa 10 bis 15 Minuten. Hier die genaue Anleitung am Beispiel von Trade Republic:

Schritt 1: App herunterladen und Grunddaten eingeben

Lade die App aus dem App Store oder Google Play Store herunter. Nach dem Öffnen gibst du deine E-Mail-Adresse und Telefonnummer an. Du erhältst einen Code per SMS, um deine Nummer zu verifizieren.

Anschließend gibst du persönliche Daten ein: Name, Geburtsdatum, Adresse und Staatsangehörigkeit. Das dient der Identifikation und ist gesetzlich vorgeschrieben.

Schritt 2: Steuer-Identifikationsnummer angeben

Du benötigst deine Steuer-ID, die auf jedem Steuerbescheid steht oder die du bei deinem Finanzamt erfragen kannst. Die Steuer-ID ist wichtig, damit der Broker später Steuern korrekt abführen kann.

Keine Panik: Die Steuer-ID ist nicht deine Steuernummer, sondern eine 11-stellige Nummer, die jeder Deutsche einmalig erhält.

Schritt 3: Verifizierung per VideoIdent oder PostIdent

Die meisten Broker nutzen das VideoIdent-Verfahren. Du startest einen Video-Call, hältst deinen Personalausweis oder Reisepass in die Kamera und folgst den Anweisungen. Das dauert 3 bis 5 Minuten und ist sofort erledigt.

Alternativ gibt es noch PostIdent, wobei du mit deinen Unterlagen zur Postfiliale gehst. Das ist umständlicher und dauert länger – VideoIdent ist klar zu empfehlen.

Schritt 4: Erste Einzahlung vornehmen

Nach erfolgreicher Verifizierung erhältst du deine Bankverbindung zum Verrechnungskonto. Überweise einen Betrag von deinem Girokonto – das kann schon 10 Euro sein, um zu testen, wie alles funktioniert, oder direkt 500 bis 1.000 Euro für deine ersten Investments.

Die Überweisung dauert je nach Bank 1 bis 2 Werktage. Sobald das Geld auf deinem Verrechnungskonto ist, kannst du investieren.

Schritt 5: Freistellungsauftrag einrichten

Dieser Schritt wird oft vergessen, ist aber wichtig: Der Freistellungsauftrag sorgt dafür, dass deine Kapitalerträge bis zu einem bestimmten Freibetrag nicht besteuert werden. 2026 liegt dieser bei 1.000 Euro für Singles und 2.000 Euro für Verheiratete.

Ohne Freistellungsauftrag zieht der Broker automatisch 26,375 Prozent Abgeltungsteuer ab – auch wenn du unter dem Freibetrag liegst. Die Steuer bekommst du zwar über die Steuererklärung zurück, aber das ist unnötiger Aufwand.

Den Freistellungsauftrag richtest du direkt in der App oder im Kundenbereich ein. Du gibst deine Steuer-ID an und legst fest, wie viel vom Freibetrag für dieses Depot gelten soll. Hast du mehrere Depots oder Konten, kannst du den Freibetrag aufteilen.

Zeitaufwand und benötigte Dokumente im Überblick

Zeitaufwand:

  • App-Download und Registrierung: 2 Minuten

  • Daten eingeben: 3 Minuten

  • VideoIdent-Verifizierung: 3-5 Minuten

  • Freistellungsauftrag einrichten: 2 Minuten

  • Gesamt: 10-15 Minuten

Die erste Einzahlung und Freischaltung dauert zusätzlich 1-2 Werktage, je nachdem wie schnell deine Bank die Überweisung durchführt.

Benötigte Dokumente:

  • Gültiger Personalausweis oder Reisepass

  • Steuer-Identifikationsnummer

  • Smartphone für VideoIdent

  • Bankverbindung für die Einzahlung

Du benötigst keinen Wohnsitznachweis, keine Gehaltsnachweise und keine Bonitätsprüfung. Der Prozess ist bewusst einfach gehalten, damit jeder Zugang zum Kapitalmarkt erhält.

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich Vorkenntnisse, um ein Depot zu eröffnen?

Nein, überhaupt nicht. Die Broker führen dich Schritt für Schritt durch den Prozess, und die Bedienung ist so intuitiv gestaltet, dass du keine Finanzausbildung brauchst. Wichtig ist nur, dass du dich vorher informierst, in was du investieren möchtest – ETFs sind für Anfänger der einfachste Einstieg.

Wie viel Geld sollte ich zu Beginn einzahlen?

Technisch kannst du schon mit 1 Euro starten, realistisch sind aber 100 bis 500 Euro sinnvoll für die erste Einzahlung. So kannst du bereits einen ETF-Sparplan einrichten oder erste kleinere Käufe tätigen, ohne dass Gebühren prozentual zu stark ins Gewicht fallen.

Kann ich mehrere Depots gleichzeitig haben?

Ja, es spricht nichts dagegen, Depots bei verschiedenen Brokern zu führen. Viele Anleger nutzen ein Depot für ETF-Sparpläne und ein zweites für Einzelaktien oder um verschiedene Broker zu testen. Achte nur darauf, den Freistellungsauftrag entsprechend aufzuteilen.

Was passiert, wenn ein Broker pleitegeht?

Deine Wertpapiere im Depot gehören dir und sind Sondervermögen – sie sind nicht Teil der Insolvenzmasse eines Brokers. Selbst wenn der Broker pleitegeht, bleiben deine Aktien und ETFs in deinem Besitz. Das Verrechnungskonto ist allerdings nur bis 100.000 Euro über die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.

Muss ich eine Steuererklärung machen, wenn ich ein Depot habe?

Nicht zwingend. Deutsche Broker führen die Abgeltungsteuer automatisch ab, sodass du steuerlich erstmal nichts tun musst. Eine Steuererklärung kann aber sinnvoll sein, wenn du Verluste verrechnen möchtest oder deinen Freistellungsauftrag nicht optimal verteilt hast.

Wie schnell kann ich nach der Depot-Eröffnung investieren?

Sobald deine erste Einzahlung auf dem Verrechnungskonto angekommen ist, kannst du sofort kaufen. Das dauert in der Regel 1-2 Werktage nach der Überweisung. Die Verifizierung selbst ist bei VideoIdent innerhalb weniger Minuten abgeschlossen.

Was ist der Unterschied zwischen Verrechnungskonto und Depot?

Das Verrechnungskonto ist wie ein Zwischenkonto: Hier liegt dein Bargeld, bevor du es investierst, und hier landet das Geld, wenn du verkaufst. Das Depot selbst verwahrt nur die Wertpapiere, kein Bargeld. Beide gehören zusammen und werden bei der Depot-Eröffnung automatisch eingerichtet.

Nächste Schritte

Du hast jetzt das Wissen, um dein erstes Depot zu eröffnen. Der nächste logische Schritt: Einrichten eines ETF-Sparplans. In der nächsten Lektion der Investment 1x1-Reihe zeigen wir dir, wie du automatisiert investierst, welche ETFs für Anfänger geeignet sind und wie du den Cost-Average-Effect für dich nutzt.

Starte noch heute mit der Depot-Eröffnung. Je früher du anfängst, desto mehr Zeit hat dein Geld zum Wachsen. Trade Republic oder Scalable Capital sind in wenigen Minuten eingerichtet – und schon bist du einen entscheidenden Schritt weiter auf deinem Weg zum langfristigen Vermögensaufbau.

Denk daran: Das erste Depot zu eröffnen fühlt sich größer an, als es ist. Sobald du den Prozess einmal durchlaufen hast, wirst du überrascht sein, wie unkompliziert alles funktioniert. Der wichtigste Schritt ist, überhaupt anzufangen.

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Lektion 5: Der erste ETF-Sparplan