Lektion 6: Die erste Aktie kaufen

Kaufen und verkaufen: Nach dieser Lektion kannst du damit beginnen

Erste Aktie kaufen: So gehst du 2026 Schritt für Schritt vor

Du hast dein Depot eröffnet, vielleicht schon einen ETF-Sparplan eingerichtet und jetzt fragst du dich: Wann und wie kaufe ich eigentlich meine erste Einzelaktie? Das ist ein spannender Moment. Gleichzeitig tauchen viele Fragen auf: Was bedeutet ISIN? Welchen Ordertyp soll ich wählen? Und wie viel Geld sollte ich riskieren? In diesem Artikel bekommst du eine klare, praxisnahe Antwort auf all das, von der Vorbereitung bis zum fertigen Kauf.

Wann bist du bereit für Einzelaktien?

Einzelaktien sind kein Einstiegsprodukt für den allerersten Tag. Bevor du eine Aktie kaufst, solltest du einige Grundlagen abhaken. Die gute Nachricht: Das geht schneller als du denkst.

Prüf diese drei Punkte, bevor du deinen ersten Einzelaktienkauf tätigst:

  1. Du hast ein Depot eröffnet und weißt, wie du dich einloggst und navigierst.

  2. Du hast einen ETF-Sparplan laufen (oder verstehst zumindest das Prinzip der Diversifikation). Einzelaktien ergänzen dein Portfolio, sie ersetzen keine breite Basis.

  3. Du hast dich mit dem Unternehmen beschäftigt – nicht nur den Namen gelesen, sondern grob verstanden, womit es Geld verdient.

Erfüllst du diese drei Punkte? Dann bist du bereit.

Ein häufiges Missverständnis ist, dass man erst "genug wissen" muss. Die Wahrheit: Man lernt am meisten durch echtes Handeln mit kleinen, überschaubaren Summen.

Sparplan vs. Einzelkauf: Was ist der Unterschied?

Beim ETF-Sparplan kaufst du automatisch, regelmäßig und zu einem festgelegten Betrag. Du entscheidest einmal – und der Broker führt das danach selbstständig aus. Das ist das "Set it and forget it"-Prinzip.

Beim Einzelkauf entscheidest du aktiv: wann, wie viel und zu welchem Preis. Du gibst eine sogenannte Order auf – eine Kaufanweisung an den Broker. Das ist manueller, erfordert mehr Aufmerksamkeit, gibt dir aber auch mehr Kontrolle.

Für den Aufbau eines soliden Portfolios empfiehlt sich eine Kombination: 70% ETF-Basis, 30% ausgewählte Einzelaktien. So profitierst du von Stabilität und Lerneffekt zugleich.

Merkmal ETF-Sparplan Einzelkauf
Ausführung Automatisch, periodisch Manuell, einmalig
Zeitaufwand Minimal Mittel bis hoch
Flexibilität Begrenzt Hoch
Lerneffekt Gering Hoch
Geeignet für Passive Basisanlage Gezielte Einzeltitel

ISIN, WKN, Ticker: Was bedeuten diese Kürzel?

Jede Aktie hat eine eindeutige Identifikationsnummer. Stell dir das vor wie eine Sozialversicherungsnummer – nur für Wertpapiere. Die drei wichtigsten Kennungen sind:

  • ISIN (International Securities Identification Number): 12-stelliger, international gültiger Code. Beginnt mit dem Länderkürzel (z. B. "DE" für Deutschland). Beispiel: Die Allianz-Aktie hat die ISIN DE0008404005.

  • WKN (Wertpapierkennnummer): 6-stellige deutsche Kurzversion der ISIN. Oft an Börsenanzeigetafeln zu sehen. Beispiel: Allianz = 840400.

  • Ticker-Symbol: Börsenkürzel, meist 2–5 Buchstaben. Wird vor allem in den USA und bei Echtzeit-Kursen genutzt. Beispiel: Allianz = ALV (Xetra).

Im Broker gibst du entweder die ISIN, die WKN oder den Firmennamen ein. Die Suche findet die richtige Aktie automatisch. Tipp: Nutze immer die ISIN, wenn du dir unsicher bist, sie ist eindeutig und weltweit einheitlich.

Ordertypen erklärt: Market, Limit, Stop Loss

Der Begriff "Order" klingt komplizierter als er ist. Eine Order ist einfach deine Kaufanweisung an den Broker. Es gibt verschiedene Typen, jeder mit einem anderen Zweck.

Market Order

Du kaufst sofort zum aktuellen Marktpreis. Einfach, schnell, zuverlässig. Für Anfänger ist das der richtige Einstieg. Der Nachteil: Du hast keine Kontrolle über den exakten Preis. Bei sehr kleinen oder illiquiden Aktien kann der Ausführungspreis leicht vom angezeigten Kurs abweichen, das nennt sich Spread.

Limit Order

Du legst einen Höchstpreis fest, zu dem du kaufen möchtest. Die Aktie von Beispiel-AG steht bei 52 €, du setzt ein Limit bei 50 €. Fällt der Kurs auf 50 € oder darunter, wird die Order ausgeführt. Steigt er weiter, passiert nichts. Das gibt dir Preissicherheit, kostet dich aber möglicherweise den Einstieg, wenn die Aktie nie auf dein Limit fällt.

Stop-Loss-Order

Das ist eine Absicherung nach dem Kauf. Du bestimmst einen Kurs, bei dem deine Aktie automatisch verkauft wird, falls der Preis fällt. Beispiel: Du kaufst eine Aktie für 100 €, setzt einen Stop Loss bei 85 €. Fällt der Kurs auf 85 €, verkauft der Broker automatisch und du begrenzt damit deinen maximalen Verlust auf 15%.

Für den ersten Kauf empfiehlt sich eine Market Order oder eine Limit Order. Stop-Loss-Orders sind sinnvoll, sobald du mehrere Positionen im Portfolio hast.

Handelszeiten und Handelsplätze

Du kannst Aktien nicht rund um die Uhr kaufen. Börsen haben feste Handelszeiten und es gibt verschiedene Handelsplätze, die unterschiedliche Vor- und Nachteile bieten.

Die wichtigsten deutschen Handelsplätze

  • Xetra (Frankfurt): Der größte elektronische Handelsplatz in Deutschland. Handelszeiten: werktags 09:00-17:30 Uhr. Hier werden die offiziellen Tagesschlusskurse festgestellt. Höchste Liquidität für deutsche und europäische Aktien.

  • Tradegate: Ein alternativer Handelsplatz mit längeren Zeiten: 08:00 bis 22:00 Uhr. Für viele Neobroker wie Trade Republic ist Tradegate der Standard-Handelsplatz.

  • Lang & Schwarz: Ähnlich wie Tradegate, ebenfalls mit erweiterten Handelszeiten.

Außerhalb der Haupthandelszeiten ist die Liquidität geringer. Das bedeutet: weniger Käufer und Verkäufer, potenziell größere Spreads. Für Anfänger gilt daher die Faustregel: kaufe innerhalb der Xetra-Haupthandelszeiten (09:00–17:30 Uhr) für die besten Ausführungspreise.

Schritt für Schritt: Deine erste Aktie kaufen

Hier ist die konkrete Anleitung am Beispiel eines typischen Neobrokers wie Trade Republic oder Scalable Capital. In 10–15 Minuten ist dein erster Kauf erledigt.

  1. App öffnen und Aktie suchen: Tippe den Firmennamen oder die ISIN in die Suchleiste. Beispiel: "Allianz" oder "DE0008404005".

  2. Aktie auswählen: Prüfe kurz, ob du das richtige Wertpapier gefunden hast. Logo, Währung und Handelsplatz sollten passen.

  3. „Kaufen" antippen: Im Kurs-Bildschirm findest du meist einen deutlichen „Kaufen"-Button.

  4. Ordertyp wählen: Für den Anfang: Market Order. Optional kannst du ein Limit setzen.

  5. Betrag oder Stückzahl eingeben: Viele Neobroker erlauben auch Bruchteil-Aktien (z. B. für 200 €, egal wie hoch der Einzelkurs ist).

  6. Handelsplatz prüfen: Der Broker schlägt automatisch einen vor. In der Regel ist das Tradegate oder Xetra.

  7. Order überprüfen: Kontrolliere noch einmal Aktie, Ordertyp, Betrag und Handelsplatz.

  8. Order bestätigen: Schieberegler oder PIN-Bestätigung – die Order wird an die Börse weitergeleitet und bei einer Market Order innerhalb von Sekunden ausgeführt.

  9. Kaufbeleg speichern: Nach der Ausführung bekommst du eine Abrechnung. Lade sie herunter oder speichere sie in deiner Dokumentation.

Rechenbeispiel: Du kaufst 4 Aktien der Deutschen Post AG zu je 38,50 € = 154 €. Dazu kommen Ordergebühren von z. B. 1 € (Trade Republic). Gesamtkosten: 155 €. Einfacher geht's nicht.

Wie viel solltest du in eine Einzelaktie investieren?

Das ist eine der wichtigsten Fragen und eine, die viele Anfänger falsch angehen. Die häufigsten Fehler: entweder zu wenig (dann lohnt sich die Gebühr kaum) oder zu viel (dann hängt zu viel am Schicksal eines einzigen Unternehmens).

Eine bewährte Faustregel lautet: Keine Einzelaktie sollte mehr als 5–10% deines Gesamtportfolios ausmachen. Das schützt dich vor Klumpenrisiken.

Rechenbeispiel mit realistischen Zahlen:

  • Gesamtportfolio: 5.000 € (ETFs + Einzelaktien)

  • Maximale Einzelposition: 10% = 500 €

  • Bei Trade Republic mit 1 € Gebühr: Kostenquote = 0,2% – absolut vertretbar

  • Bei nur 50 € Position: Kostenquote = 2% – zu hoch

Eine vernünftige Mindestgröße für eine Einzelposition liegt bei etwa 200–500 €, abhängig von deiner Gesamtdepotgröße. Fang lieber mit einer kleinen, aber sinnvoll dimensionierten Position an und erhöhe sie im Laufe der Zeit.

Kaufentscheidung dokumentieren: Warum das unterschätzt wird

Nach dem Kauf ist vor dem Lernen. Die meisten Anfänger legen einfach los und vergessen sechs Monate später, warum sie eine Aktie überhaupt gekauft haben. Das ist ein teurer Fehler.

Schreib nach jedem Kauf kurz auf:

  • Warum hast du diese Aktie gekauft? (Wachstumsstory, Dividende, Unterbewertung?)

  • Was hat dich überzeugt? (Kennzahl, Bericht, eigene Recherche?)

  • Was muss passieren, damit du wieder verkaufst? (Kursziel, verändertes Geschäftsmodell?)

  • Datum und Kaufkurs

Das klingt nach viel Aufwand, dauert aber maximal 10 Minuten. Der Nutzen ist riesig: Du vermeidest impulsive Verkäufe in Kurseinbrüchen, weil du schwarz auf weiß siehst, warum du investiert hast. Und du erkennst mit der Zeit, ob deine Analyse-Logik aufgeht oder wo du besser werden kannst.

Ein einfaches Dokument in Word oder ein Notizbuch genügt. Wer strukturierter arbeiten möchte, kann Tools wie ValueScope nutzen, denn damit lassen sich Unternehmensdaten systematisch nach dem Vier-Säulen-Modell (Qualität, Wachstum, Bewertung, Risiko) auswerten, was eine fundierte Dokumentationsbasis schafft.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist eine Market Order?

Eine Market Order ist eine Kaufanweisung, bei der du eine Aktie sofort zum aktuellen Marktpreis kaufst. Die Ausführung erfolgt in Sekunden. Sie ist die einfachste Orderform und besonders für Einsteiger geeignet, da keine Preislimits gesetzt werden müssen.

Was bedeutet ISIN bei Aktien?

Die ISIN (International Securities Identification Number) ist ein 12-stelliger Code, der jede Aktie weltweit eindeutig identifiziert. Sie beginnt mit dem Länderkürzel (z. B. DE für Deutschland). Im Broker kannst du jede Aktie über ihre ISIN suchen und kaufen. Die WKN ist die kürzere, 6-stellige deutsche Entsprechung – beide identifizieren dieselbe Aktie.

Wann kann man in Deutschland Aktien kaufen?

Der Haupthandel an der Frankfurter Börse (Xetra) läuft werktags von 09:00 bis 17:30 Uhr. Über alternative Plattformen wie Tradegate sind Käufe von 08:00 bis 22:00 Uhr möglich. Für Einsteiger empfiehlt sich der Kauf innerhalb der Xetra-Haupthandelszeiten, denn dort sind die Spreads am geringsten und die Liquidität am höchsten.

Welcher Ordertyp ist für Anfänger am besten geeignet?

Für den ersten Kauf empfiehlt sich die Market Order. Wer einen günstigeren Einstiegspreis anstrebt, kann alternativ eine Limit Order verwenden. Damit wird der Kauf nur ausgeführt, wenn der Kurs das gesetzte Preislimit erreicht oder unterschreitet. Stop-Loss-Orders sind erst sinnvoll, wenn du mehrere Positionen im Portfolio hältst.

Wie viel Geld sollte ich in meine erste Aktie investieren?

Für Anfänger ist eine Positionsgröße zwischen 200 und 500 Euro sinnvoll. Keine Einzelaktie sollte mehr als 5–10% deines Gesamtportfolios ausmachen. So begrenzt du das Klumpenrisiko: Fällt die Aktie stark, ist das unangenehm, aber nicht existenzgefährdend für dein Vermögen.

Muss ich eine Aktie sofort ganz kaufen oder geht das auch in Teilen?

Viele moderne Neobroker wie Trade Republic erlauben den Kauf von Bruchteilen, sogenannte Fractional Shares. Du kannst z. B. für genau 200 € Aktien kaufen, auch wenn eine Aktie 500 € kostet. Das macht den Einstieg mit kleineren Beträgen deutlich flexibler.

Warum soll ich meine Kaufentscheidung aufschreiben?

Dokumentation hilft dir, Emotionen aus Verkaufsentscheidungen herauszuhalten. Wenn du weißt, warum du gekauft hast – und deine ursprüngliche Logik noch stimmt – verkaufst du nicht in Panik bei einem kurzfristigen Kurseinbruch. Außerdem lernst du mit der Zeit, ob deine Einschätzungen zutreffen.

Was passiert, wenn ich eine Aktie kaufe und der Kurs sofort fällt?

Das passiert und ist vollkommen normal. Kurzfristige Schwankungen sind kein Zeichen, dass du falsch lagst. Prüfe stattdessen: Hat sich an den Fundamentaldaten des Unternehmens etwas geändert? Wenn nicht, halte durch. Kurzfristige Kursrückgänge sind für langfristige Anleger oft Chancen, nicht Gefahren.

Nächste Schritte

Du weißt jetzt, wie du deine erste Aktie kaufst, von der Suche bis zur Bestätigung. Der nächste logische Schritt: Lerne, wie du ein Unternehmen vor dem Kauf wirklich einschätzt. In der nächsten Lektion zeigen wir dir, wie du Qualität, Wachstum, Bewertung und Risiko eines Unternehmens systematisch beurteilst. Wer die vier Säulen versteht, trifft bessere Kaufentscheidungen.

Dein Aktionsplan für heute:

  1. Suche eine Aktie eines Unternehmens, das du kennst und schätzt und schaue dir den Kursverlauf der letzten 5 Jahre an.

  2. Notiere in 3 Sätzen, warum dieses Unternehmen interessant sein könnte.

  3. Gib die Aktie probeweise in deinen Broker ein ohne zu kaufen. Mach dich mit der Oberfläche vertraut.

Der erste Kauf fühlt sich groß an. Dabei ist er klein und der wichtigste Schritt, den du machen kannst.

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Lektion 5: Der erste ETF-Sparplan

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Lektion 7: Aktien bewerten für Anfänger