Geldanlage: Die 30 wichtigsten Kennzahlen und Fachbegriffe
Kennzahlen und Fachbegriffe erklärt
Eine solide Geldanlage beginnt mit dem Verständnis der wichtigsten Begriffe und Kennzahlen – nicht, um BWL zu studieren, sondern um Entscheidungen bewusst zu treffen. Dieser Überblick bündelt 30 zentrale Konzepte aus Aktien-, ETF- und Portfoliowelt in klarer, kurzer Sprache. Die Auswahl orientiert sich an dem, was im Alltag wirklich hilft: Unternehmen vergleichen, ETFs einordnen, Risiken erkennen und die eigene Strategie diszipliniert umsetzen. Wo sinnvoll, werden verwandte Begriffe zusammengefasst – so entsteht ein kompaktes Nachschlagewerk für deinen nächsten Depot-Check.
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
Setzt Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie; zeigt, welchen Preis der Markt für aktuelle Ertragskraft zahlt. Niedrig bedeutet nicht automatisch günstig – Kontext und Zukunftsaussichten zählen.Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
Vergleicht Kurs und Buchwert je Aktie (Substanzwert). Sinnvoll vor allem bei kapitalintensiven Branchen; intangible Werte können das KBV verzerren.Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)
Preis pro Umsatz-Einheit je Aktie. Nützlich bei Unternehmen mit noch niedrigen Gewinnen; Margen- und Skalierungsaussichten mitdenken.Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)
Setzt Kurs zum Cashflow je Aktie. Hilfreich, wenn Gewinne durch Bilanzierungseffekte schwanken; Cash ist schwerer zu „schönen“.Gewinn je Aktie (EPS) und EPS-Wachstum
EPS ist der Gewinn pro Aktie; wichtig ist die Dynamik über Zeit. Konstanz und Qualität (einmalig vs. operativ) beachten.PEG-Ratio (KGV zu Gewinnwachstum)
Quotient aus KGV und erwarteter Gewinnwachstumsrate; hilft, Bewertung und Wachstum zusammen zu betrachten. Werte unter 1 gelten als attraktiv – nur mit Vorsicht zu interpretieren.EV/EBITDA
Unternehmenswert (inkl. Netto-Schulden) im Verhältnis zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen. Branchenvergleich macht’s aussagekräftig.EBITDA, EBIT, Nettoergebnis
Ergebnisstufen: EBITDA vor Zinsen/Steuern/Abschreibungen; EBIT nach Abschreibungen; Nettoergebnis nach allen Aufwänden. Je tiefer, desto „näher am Cash für Aktionäre“.Eigenkapitalrendite (ROE) und Gesamtkapitalrendite (ROA)
ROE misst Gewinn auf das Eigenkapital, ROA auf das Gesamtkapital. Hohe Renditen deuten auf Qualität hin – Leverage (Fremdkapitalhebel) mitdenken.Verschuldungsgrad und Eigenkapitalquote
Verschuldungsgrad = Fremd-/Eigenkapital; Eigenkapitalquote = Eigen-/Gesamtkapital. Zeigen finanzielle Stabilität und Krisenpuffer.Zinsdeckung (Interest Coverage)
EBIT im Verhältnis zu Zinsaufwand; je höher, desto entspannter die Schuldentragfähigkeit.Liquiditätsgrade (Current/Quick/Cash Ratio)
Fähigkeit, kurzfristige Verbindlichkeiten mit Umlaufvermögen bzw. Barmitteln zu bedienen. Wichtig für Krisenfestigkeit.Free Cashflow (FCF) und Reinvestitionsquote
FCF = operativer Cashflow abzüglich Investitionen; zeigt Mittel, die Eigentümern potenziell zufließen. Reinvestitionsquote signalisiert Wachstumshunger.Dividende und Dividendenrendite
Ausschüttung je Aktie und deren Verhältnis zum Kurs. Nachhaltigkeit geht vor Höhe: Ausschüttungsquote, Cash-Deckung und Zyklik beachten.Marktkapitalisierung und Enterprise Value (EV)
„Preis“ der Eigenkapitalanteile (Market Cap) vs. gesamter Unternehmenswert inkl. Netto-Schulden (EV). Basis für Bewertungsvergleiche.Beta und Volatilität
Beta misst Marktsensitivität (Schwankung relativ zum Markt), Volatilität die absolute Schwankung. Risiko ist mehr als Schwankung – Geschäftsrisiken nicht ausblenden.Korrelation
Statistischer Gleichlauf zwischen Anlagen. Niedrige/negative Korrelation schafft Diversifikation; Korrelationen ändern sich über Zeit.Diversifikation
Risikostreuung über Anlageklassen, Regionen, Sektoren, Faktoren und Währungen. Viele Positionen sind nicht automatisch diversifiziert – Klumpenrisiken prüfen.Asset-Allokation
Strategische Verteilung auf Anlageklassen nach Ziel, Risiko und Zeithorizont. Wichtigster Rendite-/Risikotreiber im Depot – regelmäßiges Rebalancing gehört dazu.Rebalancing
Zurückführen der Gewichte auf die Ziel-Allokation. Disziplinierter Risikocheck, der „teuer“ vs. „günstig“ implizit adressiert, ohne Markttiming.TER (Total Expense Ratio)
Laufende jährliche Fondskosten bei ETFs/Fonds. Wichtig, aber nicht allein entscheidend; Umsetzungseffizienz mitprüfen.Bid-Ask-Spread
Differenz aus Kauf- und Verkaufskurs an der Börse. Versteckte Transaktionskosten, die bei illiquiden Werten/Zeiten steigen können.Tracking Difference (TD)
Abweichung der ETF-Performance zur Index-Performance über einen Zeitraum – spiegelt tatsächliche Kosten/Umsetzung wider.Tracking Error (TE)
Schwankung der Differenz zur Benchmarkrendite. Niedriger TE = stabile Nachbildung; für passives Investieren meist wünschenswert.Replikationsmethode (physisch/synthetisch)
Physisch (voll/sampling) kauft Indexwerte direkt; synthetisch bildet via Swaps ab. Jede Methode hat Vor- und Nachteile (Kosten, Genauigkeit, Kontrahentenrisiko).Ausschüttend vs. thesaurierend
Ausschüttend zahlt Erträge aus; thesaurierend reinvestiert automatisch. Steuer- und Liquiditätspräferenzen entscheiden.Faktorprämien (Value, Quality, Momentum)
Systematische Renditetreiber mit teils niedriger Korrelation. Mischung mehrerer Faktoren kann Risiko glätten – Faktorzyklen beachten.Währungsrisiko und Hedging
Fremdwährungsanlagen schwanken auch durch Wechselkurse. Währungssicherung reduziert Schwankung gegen Gebühr – Eignung hängt von Horizont und Risikoneigung ab.Peer-Vergleich
Einordnung von Kennzahlen relativ zu direkten Wettbewerbern bzw. Branchendurchschnitt. Macht Ausreißer, Stärken und Schwächen sichtbar.Bewertungs- und Qualitäts-Scores
Standardisierte Punktesysteme verdichten Kennzahlen zu vergleichbaren Profilen (z. B. Qualität, Wachstum, Bewertung, Risiko) – nützlich als Orientierung, nicht als Automatismus.
Kennzahlen sind Kompass, keine Kristallkugel
Kennzahlen und Fachbegriffe sind Werkzeuge, um Chancen und Risiken greifbar zu machen – nicht mehr, nicht weniger. Wer sie im Kontext liest (Branche, Zyklus, Peer-Gruppe) und mehrere Perspektiven kombiniert, trifft stabilere Entscheidungen. Der Nutzen entsteht aus Systematik: Daten sauber prüfen, Vergleiche ziehen, Annahmen offenlegen und Disziplin halten. So wird aus Zahlenverständnis Schritt für Schritt ein belastbarer Investmentprozess – transparent, wiederholbar und der beste Schutz vor spontanen Bauchentscheidungen.
