3 Denkfehler beim Investieren

Die 3 größten Denkfehler beim Investieren (und wie du sie vermeidest)

Kennst du das Gefühl, wenn deine Investitionsentscheidung perfekt durchdacht war – bis der Kurs plötzlich abstürzt? Oder wenn du eine Aktie kaufst, nur, weil alle darüber reden? Keine Sorge, du bist nicht allein. Wir alle fallen regelmäßig in psychologische Fallen, die unsere Rendite schmälern können. Die gute Nachricht: Diese Denkfehler sind völlig normal und lassen sich durch Bewusstsein und die richtigen Strategien überwinden.

1. Herdenverhalten – Wenn alle es tun, muss es richtig sein... oder?

Das Problem verstehen

Herdenverhalten ist einer der mächtigsten psychologischen Effekte an der Börse. Es entsteht besonders in Momenten großer Unsicherheit, wenn wir denken: „Wenn alle anderen es tun, liege ich wohl falsch". Diese uralte Überlebensstrategie aus der Steinzeit hilft uns heute jedoch nicht beim Investieren – ganz im Gegenteil.

Konkrete Beispiele aus dem Börsenalltag

Denk an die GameStop-Kursturbulenzen: Viele Anleger sprangen auf den Hype-Zug auf, weil sie sahen, wie andere in kurzer Zeit viel Gewinn machten. Die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), ließ sie alle Warnungen ausblenden. Ähnlich war es beim Telekom-Börsengang in den 1990er Jahren oder der Dotcom-Blase – Millionen von Anlegern kauften, weil es „alle" taten, und verloren am Ende erhebliche Summen.

Der Teufelskreis

Herdenverhalten funktioniert in beide Richtungen: In Boomphasen kaufen Anleger zu spät und zu teuer, in Crashphasen verkaufen sie überstürzt und zu billig. Algorithmen und automatische Handelsprogramme verstärken diese Kaskadeneffekte noch zusätzlich.

Strategien zur Selbstreflexion

  • Pause einlegen: Wenn du Kaufdrang verspürst, weil „alle" über eine Aktie sprechen, nimm dir 24-48 Stunden Bedenkzeit

  • Gegenfragen stellen: Warum ist diese Investition für MICH und meine Ziele sinnvoll?

  • Informationsquellen diversifizieren: Nutze verschiedene Medien und suche bewusst nach kritischen Stimmen

2. Verlustangst – Wenn Schmerz stärker wiegt als Freude

Das Phänomen der Verlustaversion

Verlustangst (Loss Aversion) bedeutet, dass wir Verluste etwa doppelt so stark empfinden wie gleich große Gewinne. Verlierst du 100 Euro und gewinnst sie kurz darauf zurück, hast du trotzdem einen miesen Tag – obwohl du am Ende genau dort stehst, wo du angefangen hast.

Typische Fallen im Investorenalltag

Diese psychologische Verzerrung führt zu kostspieligen Fehlern:

  • Verlustreiche Aktien zu lange halten: Du hoffst auf eine Erholung, obwohl alle Anzeichen dagegen sprechen

  • Gewinnbringende Aktien zu früh verkaufen: Aus Angst vor einem späteren Kursrückgang

  • Übermäßige Vorsicht: Du meidest lukrative Chancen, weil potenzielle Verluste überproportional bewertet werden

Ein praktisches Beispiel

Stell dir vor, du hast eine Aktie für 50 Euro gekauft. Sie steht jetzt bei 40 Euro, aber alle fundamentalen Daten sprechen für einen Verkauf und Umschichtung in ein besseres Investment. Trotzdem hältst du daran fest, weil der „Buchverlust" von 10 Euro psychisch schmerzt – selbst wenn die alternative Investition höhere Renditen verspricht.

Wege aus der Verlustfalle

  • Systematische Regeln entwickeln: Lege im Voraus fest, bei welchen Kriterien du verkaufst (nicht bei welchem Kurs!)

  • Langfristige Perspektive: Erinnere dich daran, dass Schwankungen normal sind und meist vorübergehend

  • Realitätscheck: Frage dich: „Würde ich diese Aktie heute noch kaufen?" Wenn nein, warum behalten?

3. Bestätigungsfehler – Die gefährliche Suche nach Recht haben

Wenn wir nur hören, was wir hören wollen

Der Bestätigungsfehler (Confirmation Bias) lässt uns gezielt nach Informationen suchen, die unsere Meinung bestätigen, während wir widersprüchliche Fakten ignorieren oder abwerten. Einmal von einer Aktie überzeugt, filtern wir unbewusst alle Informationen – und das kann teuer werden.

Gefährliche Muster erkennen

Ein klassisches Beispiel: Du siehst bei einer Aktie die hohe Dividendenrendite und das niedrige KGV. Da du innerlich schon überzeugt bist, übersehen deine Augen schnell die kritischen Punkte: Ist das Unternehmen vielleicht hoch verschuldet? Liegt die Dividende im kritischen Bereich? Dein Gehirn filtert diese „störenden" Informationen einfach weg.

Der Wirecard-Effekt

Viele Wirecard-Investoren fielen in diese Falle: Sie suchten und fanden immer wieder Argumente, die für das Unternehmen sprachen, während sie Warnzeichen und kritische Berichte als „Leerverkäufer-Attacken" abtaten. Selbst als die Hinweise überwältigend wurden, hielten viele an ihrer Überzeugung fest.

Strategien für objektivere Entscheidungen

  • Aktive Gegenrecherche: Suche bewusst nach Argumenten GEGEN deine Investition

  • Teufels-Advokat spielen: Frage dich: „Was könnte bei dieser Investition schiefgehen?"

  • Externe Perspektiven: Diskutiere deine Investmentideen mit Menschen, die anderer Meinung sind

Der Weg zu objektiveren Entscheidungen

Warum systematische Analysen helfen

Hier kommen standardisierte, objektive Analysemethoden ins Spiel. Tools wie ValueScope bieten strukturierte Bewertungssysteme, die auf harten Kennzahlen basieren – nicht auf Emotionen oder Bauchgefühl. Solche systematischen Ansätze zwingen dich dazu, alle relevanten Faktoren zu betrachten, nicht nur die, die dir gefallen.

Die Macht der Daten

Eine objektive Analyse betrachtet beispielsweise:

  • Fundamentale Kennzahlen: Eigenkapitalrentabilität, Verschuldungsgrad, Cashflow

  • Branchenvergleiche: Wie steht das Unternehmen im Vergleich zu Konkurrenten da?

  • Risikofaktoren: Welche Gefahren könnten die Entwicklung beeinträchtigen?

Diese faktenbasierte Herangehensweise minimiert emotionale Verzerrungen und führt zu rationaleren Entscheidungen.

Praktische Tipps für den Alltag

Dein persönliches Anti-Emotionen-System

  1. Investitions-Checkliste erstellen: Schreibe auf, welche Kriterien eine Aktie für dich erfüllen muss – BEVOR du investierst

  2. Cooling-Off-Periode einführen: Warte mindestens 24 Stunden zwischen Analyseabschluss und Kauf

  3. Regelmäßige Portfolio-Reviews: Überprüfe deine Investments quartalsweise anhand objektiver Kriterien, nicht täglich anhand der Kurse

  4. Automatisierung nutzen: Sparpläne helfen, emotionale Timing-Entscheidungen zu vermeiden

Selbstreflexion als Schlüssel

Führe ein Investment-Tagebuch: Notiere bei jeder Entscheidung deine Beweggründe. Nach einigen Monaten erkennst du deine persönlichen Muster und emotionalen Trigger. Frage dich regelmäßig:

  • Warum will ich genau JETZT kaufen/verkaufen?

  • Basiert diese Entscheidung auf Fakten oder Gefühlen?

  • Würde ich einem Freund in derselben Situation dasselbe raten?

Der menschliche Faktor bleibt

Warum wir alle Fehler machen

Diese psychologischen Fallen sind kein Zeichen von Schwäche – sie sind menschlich. Selbst erfahrene Profi-Anleger fallen regelmäßig darauf herein. Der Unterschied liegt darin, diese Mechanismen zu erkennen und Strategien zu entwickeln, um ihren Einfluss zu minimieren.

Von Fehlern lernen, nicht sie vermeiden wollen

Das Ziel ist nicht, niemals Fehler zu machen. Das Ziel ist, aus Fehlern zu lernen und Systeme zu entwickeln, die dich vor den größten emotionalen Fallstricken schützen. Jeder Investor macht Verluste – erfolgreiche Investoren machen sie bewusst und kontrolliert, nicht unbewusst und emotional getrieben.

Dein Weg zu besseren Entscheidungen

Investieren ist zu einem großen Teil ein psychologisches Spiel. Die besten Strategien, die ausgefeiltesten Analysen – sie alle nützen nichts, wenn Emotionen die Oberhand gewinnen. Aber mit Bewusstsein für diese Denkfehler, strukturierten Analysemethoden und einem systematischen Vorgehen kannst du deutlich rationalere Entscheidungen treffen.

Denk daran: Jeder macht diese Fehler. Der Unterschied liegt darin, sie zu erkennen, zu akzeptieren und entsprechende Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Mit der Zeit wirst du merken, wie sich deine Entscheidungsqualität und damit auch deine Investitionsergebnisse verbessern.

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