Unterbewertete Aktien finden: 5 Methoden für 2026

Unterbewertete Aktien finden: 5 bewährte Methoden für 2026

Was bedeutet „unterbewertet“?

Eine Aktie ist unterbewertet, wenn ihr Marktpreis unter ihrem tatsächlichen inneren Wert liegt. Eine scheinbar einfache Definition – in der Praxis ist vor allem die Bestimmung dieses inneren Wertes anspruchsvoll. Der Marktpreis ist das, was andere Investoren aktuell für eine Aktie zu zahlen bereit sind. Der innere Wert hingegen ist das, was das Unternehmen fundamental wert ist – basierend auf Gewinnen, Vermögenswerten, Wachstumsaussichten und Risiken.

Stell dir vor, du findest ein Haus für 200.000 Euro zum Verkauf. Ein Sachverständiger bewertet es jedoch mit 300.000 Euro, weil es in einer aufstrebenden Gegend liegt, solide gebaut ist und geringe Instandhaltungskosten hat. Der Marktpreis beträgt 200.000 Euro, der innere Wert 300.000 Euro – das Haus ist unterbewertet. Genau dieses Prinzip übertragen Value-Investoren auf Aktien: Sie suchen nach der Differenz zwischen Preis und Wert, also nach einer Sicherheitsmarge.

Unterbewertete Aktien zu finden ist keine Glückssache, sondern ein systematischer Prozess. Er erfordert Kennzahlen, Tools, Branchenwissen und Geduld. Im Folgenden lernst du fünf bewährte Methoden kennen, mit denen du gezielt nach unterbewerteten Qualitätsaktien suchen kannst.

Methode 1: Value-Investing mit Kennzahlen

Die klassische Art, unterbewertete Aktien zu identifizieren, basiert auf fundamentalen Bewertungskennzahlen. Diese setzen den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zu Unternehmensdaten und ermöglichen Vergleiche zwischen Firmen und Branchen. Zu den wichtigsten Größen gehören das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), die PEG-Ratio und die Eigenkapitalrendite (ROE).

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt, wie viele Jahresgewinne du bezahlst, wenn du die Aktie heute kaufst. Die Formel ist:
KGV = Aktienkurs / Gewinn pro Aktie.
Steht der Kurs bei 100 Euro und der Gewinn pro Aktie bei 5 Euro, ergibt sich ein KGV von 20 – du zahlst also das 20‑fache des Jahresgewinns. Ein niedriges KGV kann auf eine günstige Bewertung hinweisen, aber auch auf Probleme, die der Markt bereits einpreist.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) setzt den Kurs ins Verhältnis zum Buchwert pro Aktie, also dem bilanziellen Eigenkapital je Aktie. Formel:
KBV = Aktienkurs / Buchwert pro Aktie.
Ein KBV unter 1 bedeutet, dass du das Unternehmen an der Börse günstiger kaufen kannst, als es in der Bilanz bewertet ist. Besonders sinnvoll ist das KBV bei kapitalintensiven Branchen wie Banken, Versicherern oder Industrieunternehmen.

Die PEG-Ratio (Price/Earnings to Growth) erweitert das KGV um die Perspektive des Gewinnwachstums. Formel:
PEG = KGV / erwartetes jährliches Gewinnwachstum (in Prozent).
Hat ein Unternehmen ein KGV von 20 und wächst der Gewinn voraussichtlich um 20% pro Jahr, beträgt die PEG 1. Als Faustregel gilt: Eine PEG unter 1 spricht eher für Unterbewertung, eine PEG deutlich über 1 eher gegen sie – insbesondere bei Wachstumswerten.

Die Eigenkapitalrendite (ROE) misst, wie effizient ein Unternehmen das Eigenkapital seiner Aktionäre einsetzt:
ROE = Jahresüberschuss / Eigenkapital.
Ab etwa 15% ROE spricht man in vielen Branchen von einem qualitativ starken Unternehmen, ab 20% von exzellenter Profitabilität. ROE ist zwar keine reine Bewertungskennzahl, hilft aber, Qualitätsunternehmen von mittelmäßigen Firmen zu trennen. Besonders interessant wird es, wenn eine hohe ROE auf ein moderates KGV trifft.

Beispielrechnung mit einer DAX-Aktie

Nehmen wir als vereinfachtes Beispiel eine große, etablierte Versicherung aus dem DAX, etwa die Allianz:

  • Aktienkurs: 280 Euro

  • Gewinn pro Aktie: 24 Euro → KGV ≈ 11,7

  • Buchwert pro Aktie: ca. 260 Euro → KBV ≈ 1,08

  • Eigenkapitalrendite: ca. 18%

  • Erwartetes Gewinnwachstum: rund 6% pro Jahr

  • PEG ≈ 11,7 / 6 ≈ 1,95

Im Branchenvergleich (Versicherer mit etwa KGV 14) wirkt ein KGV von 11,7 eher günstig. Ein KBV um 1 bedeutet, dass der Kurs nur leicht über dem bilanziellen Eigenkapital liegt. Die ROE ist solide hoch, die PEG für ein reifes Unternehmen akzeptabel. Allein daraus folgt noch keine Kaufempfehlung, aber das Profil passt zur Idee „unterbewertet mit Qualität“.

Als grobe Faustregel kannst du dir merken: Spannend wird es dort, wo niedrige Bewertungskennzahlen (KGV, KBV, PEG) auf stabile oder hohe Qualitätskennzahlen (ROE, Margen, stabile Gewinne) treffen.

Methode 2: Screening-Tools systematisch nutzen

Manuell Dutzende oder Hunderte Aktien durchzurechnen ist mühsam und ineffizient. Screening-Tools automatisieren diesen ersten Filter. Du definierst Kriterien – das Tool liefert dir alle Aktien, die dazu passen.

Gängige Tools (Auswahl):

  • Finviz: Sehr umfangreicher Screener, ideal für US-Aktien. Du kannst nach KGV, KBV, Dividendenrendite, Wachstum, Verschuldung und vielem mehr filtern. Für europäische Werte ist die Abdeckung begrenzt.

  • Gurufocus: Starker Fokus auf Value-Investing, inklusive „Fair Value“-Schätzungen und Auswertungen, wie bekannte Investoren investiert sind. Bietet tiefgehende Fundamentaldaten und historisches Bewertungsniveau.

  • Aktienfinder.net: Deutschsprachiges Tool mit besonderer Stärke bei Dividenden- und Qualitätsaktien, Fokus auf DACH und Europa. Zeigt, ob eine Aktie historisch eher teuer oder günstig bewertet ist.

  • TraderFox: Professionelles Tool mit vielen Strategien, Rankings und Screenern. Eher für fortgeschrittene Anleger und Vielnutzer geeignet.

  • SimFin: Plattform mit vielen fundamental orientierten Kennzahlen, eigener Screener-Logik und Möglichkeit für Backtests.

So gehst du mit Screenern vor

1. Grob vorfiltern:

o    Marktkapitalisierung > 1 Mrd. Euro (solide Größe)

o    Positive Gewinne in den letzten Jahren

2. Bewertungsfilter setzen:

o    KGV z.B. < 15

o    KBV z.B. < 2

o    Dividendenrendite z.B. > 2–3% (optional)

3. Qualitätsfilter hinzufügen:

o    ROE z.B. > 12–15%

o    Stabiles Gewinnwachstum über 3–5 Jahre

4. Branchen einschränken:

o    Nur Sektoren, die du verstehst oder verfolgen willst

5. Shortlist bilden:

o    10–20 Werte auswählen, dann manuell tiefer einsteigen

Der Screener ersetzt deine Analyse nicht, aber er reduziert die Datenmenge so, dass du dich auf die spannendsten Kandidaten konzentrieren kannst.

Methode 3: Der Warren-Buffett-Ansatz – Qualität mit Rabatt

Warren Buffett ist kein Schnäppchenjäger im klassischen Sinn. Er kauft selten „billige“ Schrottunternehmen, sondern bevorzugt hervorragende Unternehmen, deren Aktien zeitweise günstig zu haben sind, weil der Markt übertreibt.

Typische Merkmale solcher Qualitätsunternehmen:

  • Klarer Wettbewerbsvorteil („Burggraben“), z.B. starke Marke, Netzwerkeffekte, hohe Wechselkosten

  • Stabile oder gut prognostizierbare Gewinne

  • Solide Bilanz, überschaubare Verschuldung

  • Kompetentes, langfristig denkendes Management

  • Geschäftsmodell, das du verstehst und erklären kannst

Die Buffett-Idee: Du identifizierst solche Unternehmen und wartest auf Phasen, in denen kurzfristige Probleme den Kurs drücken, ohne das Geschäftsmodell dauerhaft zu beschädigen. Beispiele für solche Ereignisse können sein:

  • Ein schlechtes Quartal oder verfehlte Analystenerwartungen

  • Regulatorischer Druck, der das Geschäft bremst, aber beherrschbar ist

  • Branchenkorrekturen, bei denen „alles“ verkauft wird

  • Managementwechsel oder Negativschlagzeilen ohne fundamentalen Bruch

Solche Phasen erzeugen häufig Kurse, bei denen der Markt sehr pessimistisch ist, während die langfristigen Aussichten intakt bleiben. Hier entstehen für geduldige Anleger Chancen.

Dein Vorgehen:

  1. Erstelle eine Watchlist von 10–30 Qualitätsunternehmen, die du gern besitzen würdest, wenn der Preis stimmt.

  2. Verfolge regelmäßig deren Bewertungen, Nachrichten und Branchenumfeld.

  3. Schlage zu, wenn der Kurs deutlich unter deinem konservativ geschätzten fairen Wert liegt – idealerweise mit 25–50% Sicherheitsmarge.

Nicht jede gefallene Aktie ist ein Schnäppchen. Manche Unternehmen haben strukturelle Probleme – hier hilft der Blick auf Qualität (ROE, Margen, Wettbewerbsposition) und nicht nur auf den gefallenen Kurs.

Methode 4: Insider-Käufe beobachten – Wenn das Management kauft

Insider im rechtlichen Sinne sind Personen, die aufgrund ihrer Position im Unternehmen Zugang zu internen Informationen haben – typischerweise Vorstände, Aufsichtsräte oder leitende Angestellte. Wenn diese Personen in größerem Umfang eigene Aktien kaufen, ist das häufig ein positives Signal.

Warum? Insider kennen:

  • den aktuellen Auftragseingang,

  • interne Prognosen,

  • den Fortschritt von Projekten,

  • Risiken, die noch nicht in der Presse sind – und Chancen ebenfalls.

Sie dürfen zwar keine illegalen Insidergeschäfte tätigen, haben aber ein deutlich besseres Gefühl für mittel- bis langfristige Perspektiven. Wenn sie ihr eigenes Geld in die Hand nehmen, zeigt das Vertrauen.

Wichtige Aspekte bei Insider-Käufen:

  • Volumen: 5.000 Euro sind nett, 5 Millionen Euro sind ein Statement.

  • Timing: Käufe nach Kursrückgängen sind aussagekräftiger als Käufe nach Rekordhochs.

  • Konzertierte Aktionen: Kaufen mehrere Insider in kurzer Zeit, verstärkt das das Signal.

  • Netto-Sicht: Nur Käufe anschauen, nicht regelmäßig geplante Verkäufe (z.B. Aktienprogramme).

Daten zu Insider-Trades findest du:

  • in Europa u.a. in Veröffentlichungen der Aufsichtsbehörden und auf Finanzportalen,

  • in den USA in den Pflichtmeldungen an die SEC (Form 4).

Insiderkäufe solltest du als ein Puzzleteil betrachten: Ein starker Kauf kann ein guter Anlass sein, das Unternehmen genauer anzuschauen – aber nie der alleinige Grund für ein Investment.

Methode 5: ValueScope Vier-Säulen-Score – Standardisierte Bewertung statt Bauchgefühl

Alle Methoden oben haben eines gemeinsam: Du musst viele Informationen sammeln, Kennzahlen einordnen, Branchenkontexte verstehen und qualitative Aspekte bewerten. Das ist spannend, kostet aber Zeit und Erfahrung.

Genau hier setzt der ValueScope Vier-Säulen-Score an. Anstatt nur einzelne Kennzahlen zu betrachten, fasst ValueScope die fundamentale Qualität einer Aktie in vier Dimensionen zusammen:

1. Qualität – Wie stabil und profitabel ist das Unternehmen?

o    Kennzahlen wie ROE, Margen, Stabilität der Gewinne, Bilanzqualität.

2. Wachstum – Wie stark wächst das Unternehmen?

o    Umsatz- und Gewinnwachstum, Dynamik im Geschäftsmodell.

3. Bewertung – Wie teuer oder günstig ist die Aktie?

o    KGV, KBV, PEG-Ratio, Verhältnis zu eigenen historischen Bewertungen und zur Branche.

4. Risiko – Wie hoch sind die Risiken?

o    Verschuldungsgrad, Zyklizität, Gewinnschwankungen, sektorale und makroökonomische Risiken.

Aus diesen vier Säulen entsteht ein standardisierter Score, mit dem du auf einen Blick siehst:

  • Welche Aktien sind qualitativ stark und gleichzeitig günstig bewertet?

  • Wo stimmt das Wachstum, aber die Bewertung ist bereits anspruchsvoll?

  • Welche Titel sehen günstig aus, tragen aber hohe Risiken?

Der große Vorteil: Der Vier-Säulen-Score ist branchenübergreifend vergleichbar. Eine Technologieaktie mit KGV 30 kann im Kontext ihres Wachstums und ihrer Qualität genauso attraktiv sein wie eine klassische Industrieaktie mit KGV 12. Der Score nimmt dir einen Teil der Kontextarbeit ab, indem er Kennzahlen relativ zur Branche und Historie betrachtet.

Praktischer Nutzen:

  • Du kannst innerhalb weniger Minuten ein Universum von Aktien vorsortieren.

  • Du identifizierst unterbewertete Qualitätsaktien, ohne dich im Kennzahlen-Dschungel zu verlieren.

  • Du ersparst dir viele Stunden Excel und Ad-hoc-Recherche.

Wer wenig Zeit hat, aber dennoch systematisch vorgehen möchte, bekommt damit einen klaren Hebel.

Unterbewertete Aktien finden: Dein Aktionsplan

Damit das Ganze nicht theoretisch bleibt, hier ein konkreter Ablauf, den du direkt anwenden kannst:

1. Grundsatzstrategie wählen

o    Willst du selbst Kennzahlen analysieren (Methode 1 & 3)?

o    Willst du vor allem Tools nutzen (Methode 2 & 5)?

o    Oder eine Kombination aus allem?

2. Werkzeuge einrichten

o    Broker-Depot, ein bis zwei Screener (z.B. Aktienfinder + internationales Tool) und ValueScope-Zugang einrichten.

3. Erste Vorauswahl treffen

o    Mit Screenern oder ValueScope nach:

  • soliden Unternehmen (Marktkapitalisierung, Stabilität),

  • günstigen Bewertungen (KGV, KBV, Score „Bewertung“),

  • guter Qualität (ROE, Score „Qualität“).

4. Watchlist bauen

o    10–20 Aktien, die nach den Filtern interessant wirken.

5. Vertiefte Analyse der Top-Kandidaten

o    Geschäftsmodell verstehen, Risiken abwägen, Wettbewerbssituation anschauen.

o    Eigene Einschätzung zum „fairen Wert“ bilden – konservativ.

6. Mit Teilpositionen starten

o    Nie alles auf einmal setzen; lieber in 2–3 Stufen einsteigen.

7. These regelmäßig überprüfen

o    1–2 Mal im Jahr: Stimmt die Geschichte noch?

o    Hat sich die Bewertung normalisiert?

o    Ist das Unternehmen vielleicht nicht mehr unterbewertet, sondern fair bzw. teuer?

Fazit: Unterbewertung ist kein Zufall – sondern Methode

Unterbewertete Aktien zu finden bedeutet nicht, „billig“ zu kaufen, sondern Wert mit Rabatt zu erwerben. Das gelingt dir besser, wenn du:

  • Kennzahlen verstehst und richtig einordnest,

  • Screening-Tools gezielt einsetzt,

  • von Ansätzen wie dem Warren-Buffett-Stil lernst,

  • Insider-Signale als nützlichen Datenpunkt nutzt

  • und vor allem mit einem standardisierten Bewertungsrahmen arbeitest.

Der Vier-Säulen-Score von ValueScope hilft dir genau dabei: Qualität, Wachstum, Bewertung und Risiko in einem klaren, vergleichbaren Raster zu sehen – über Branchen hinweg und ohne, dass du jeden Geschäftsbericht selbst sezierst.

Wenn du gezielt unterbewertete Qualitätsaktien finden willst, ohne deine Abende in Excel zu verbringen, ist das der naheliegende nächste Schritt:
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